Ein persönlicher Blick auf zwei Klassiker von Rick Hinderer
Ok ok, ich sehe es ja ein – die Behauptung als allgemeine Wahrheit zu verkaufen ist natürlich Quatsch. Und doch ist genau das mein völlig subjektiver Eindruck.
Ein kurzer Blick in den Rückspiegel der Messergeschichte schafft ein wenig Kontext.
Das Eklipse ist natürlich ein waschechtes Design von Rick Hinderer, wurde aber zunächst von Zero Tolerance unter dem Kürzel ZT 0393 vermarktet. Wir reden also von einem Messer, das ungefähr aus der gleichen Design-Epoche stammt wie das kultige XM-18.
Ich persönlich habe nie ein ZT 0393 besessen, wohl aber verschiedene XM-18 Varianten und auch mehrere Hinderer Eklipse.
Beide Messer würde ich als absolute Arbeitstiere bezeichnen – was sicher auch dem beruflichen Hintergrund ihres Designers geschuldet ist. Rick Hinderer war lange Zeit Feuerwehrmann und hat Werkzeuge immer aus der Perspektive eines Anwenders gedacht, der unter Stress und mit Handschuhen arbeitet.
Werkzeuge müssen funktionieren. Sofort.
Genau aus dieser Denkweise entstand das XM-18, das heute zu Recht als moderner Klassiker unter den amerikanischen EDC-Foldern gilt.
Doch schaut man genauer hin, zeigt sich: Mit dem Eklipse hat Rick Hinderer viele dieser Ideen meiner Meinung nach noch konsequenter umgesetzt.
Besonders in der aktuellen Version mit Slicer-Klinge und Hollow Grind hat er sich meiner Meinung nach selbst übertroffen.
Der auffälligste Unterschied zwischen XM-18 und Eklipse liegt im Griff.
Während das XM-18 stark geschwungen ist und die Hand sehr klar in eine vorgegebene Position lenkt, ist der Griff des Eklipse deutlich geradliniger ausgeführt.
Diese Form zwingt meine Hand nicht in eine bestimmte Haltung, sondern lässt verschiedene Griffpositionen zu.
In der Praxis fühlt sich das für mich freier und natürlicher an – besonders bei längeren Arbeiten oder wenn man das Messer häufig umsetzt.
Das Eklipse passt sich der Hand an, nicht umgekehrt.
Und genau das macht es für mich als Werkzeug so überzeugend.
Ein weiteres Detail, das für mich einen großen Unterschied macht, ist die Griffmulde unterhalb des Flippers auf der Oberseite der Griffschalen.
Sie bietet dem Daumen viel Platz und sorgt für einen sicheren, kontrollierten Halt – ohne dass ich das Gefühl bekomme, gegen das Messer zu arbeiten.
Gerade im Forward Grip zeigt das Eklipse hier seine Stärke und vermittelt ein sehr hohes Maß an Kontrolle und Sicherheit.
Diese Daumenmulde ist kein optischer Gag, sondern ein durchdachtes Funktionselement.
Und ehrlich gesagt: Hat man sich einmal daran gewöhnt, möchte man sie nicht mehr missen.
Bei der hier betrachteten Slicer-Klingenvariante verzichtet das Eklipse außerdem auf einen ausgeprägten Forward-Choil.
Dadurch rückt die Schneide einige Millimeter näher an den Griff heran.
Das Ergebnis ist eine spürbar bessere Kraftübertragung, weil man näher an der Schneide arbeitet und weniger Hebel verliert.
Beim Schnitzen, bei kontrollierten Druckschnitten oder bei präzisen Arbeiten wirkt das Messer dadurch direkter und effizienter als ein XM-18 mit großem Choil.
Was auf dem Papier nach einem kleinen Unterschied klingt, macht sich in der Praxis sehr deutlich bemerkbar.
Besonders spannend ist der neue Hollow Grind, der bei dieser Version der Eklipse-Klingen zum Einsatz kommt.
Der Schliff besitzt einen relativ großen Radius und verbindet damit zwei Eigenschaften, die sonst oft im Widerspruch stehen.
Einerseits schneidet die Klinge deutlich besser als beispielsweise die dickere Spanto-Variante und gleitet sauber durch Holz, Karton oder andere Alltagsmaterialien.
Andererseits bleibt genug Material hinter der Schneide erhalten, um die für Hinderer typische Stabilität nicht zu verlieren.
Das Eklipse fühlt sich dadurch nicht fragil oder empfindlich an – sondern bleibt ein echtes Arbeitstier mit spürbar verbesserter Schneidleistung.
Natürlich trägt auch das Eklipse klar die Handschrift von Rick Hinderer.
Die Klinge aus CPM-S45VN, dem modernen Nachfolger von S35VN, bietet eine hervorragende Kombination aus Schnitthaltigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Stabilität.
Typisch für Hinderer-Folder ist außerdem das Tri-Way Pivot System. Damit kann der Nutzer selbst entscheiden, ob das Messer auf Kugellagern, Bronze-Washern oder Nylon-Washern laufen soll.
Hot take: Ich persönlich bin tatsächlich ein Fan der Nylon-Washer. Dieser leicht gedämpfte Klingengang gehört für mich irgendwie zu Hinderer-Messern dazu.
Rein funktional machen natürlich alle drei Optionen einen hervorragenden Job – hier reden wir wirklich von einer Geschmacksfrage.
Und natürlich spielt auch die Optik eine Rolle. Mich spricht die gradlinige Form des Griffes und die elegante Slicer-Klinge einfach an.
Dazu kommt das einheitliche Finish von Klinge und Titan-Frame. Für mich ein absoluter Homerun.
Am Ende ist das Eklipse nicht lauter, nicht ikonischer und mit Sicherheit auch nicht so bekannt wie das XM-18.
Aber ich finde es in den oben beschriebenen Punkten konsequenter gedacht, freier in der Handhabung und näher an der eigentlichen Idee eines Werkzeugs.
Genau deshalb sage ich – als Nutzer beider Messer:
Das bessere XM-18 ist für mich das Eklipse.
Sowohl das XM-18 als auch das Eklipse gehören zu den bekanntesten Designs von Rick Hinderer. Beide Messer teilen viele technische Eigenschaften – unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Ergonomie.
Das Hinderer Eklipse in der Knife Lounge